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Als wir uns zum xten Rundgang durch das Hafengelände auf den Weg machen, treffen wir auf einen Biker, der schon von weitem fragt: „Wollt ihr auch nach Tasmanien?" An seinem Englisch ist zu erkennen, ein „richtiger" Aussie ist er nicht. Und er hört auf Anhieb dass wir aus Europa kommen. Schweiz oder Germany fragt er sofort. und dann fängt er an zu erzählen; er ist vor 17 Jahren von Kroatien nach Australien gekommen, er will nie wieder zurück!.
Australien ist einfach sein Traum, nicht so eng, nette Menschen und überhaupt! Er ist nun 45 Jahre alt, fährt heute das 17. Mal zum Motorradfahren nach Tasmanien, aber trotzdem konnte er vor lauter Aufregung die letzte Nacht nicht schlafen.
Er fragt, ob wir „clockwise or other clockwise" die Insel befahren wollen. Er warnt uns vor totgefahren Tieren, Kängurus, Wallabies etc. die unbeachtet auf der Straße rum liegen, und für einen Motorradfahrer zum Verhängnis werden können. Er erklärt uns in welchen Kurven die LKW´s die Straße durch Kurvenschneiden mit Schotter zu gefährlichem Pflaster für Biker machen. Es ist eine interessante kurzweilige Unterhaltung.

Und dann geht endlich auch das einchecken los. Aber bevor wir weiter in das Hafengelände fahren dürfen, müssen wir an Männern in neongrünen Security-Westen vorbei. Mit strengem Gesicht und monotoner Stimme fragt mich einer, ob ich Obst, Fleisch, Gasflaschen oder Sprengstoff bei mir habe. Weil er seinen Text runterleiert verstehe ich ihn schlecht beziehungsweise ich glaube, mich verhört zu haben. Aber bevor ich den Mund aufmachen kann, beantwortete er sich seine Fragen schon selber, grinst mich an und gibt mir ein neonfarbiges kleine Schild, das an ich den Lenker hängen muss, damit bin ich als „geprüft" erkennbar. Auch meine Begleiter bekommen die bunten Schildchen.
Der nächste Stopp ist an einem kleinen Häuschen, da nimmt man uns die Neonschilder wieder ab, aber nun wollen sie den Pass und die Kennzeichen der Bikes wissen. Ich verdrehe die Augen, erkläre der freundlichen Dame, alle Dokumente sind eingepackt und im Übrigen sind es Mietmotorräder. Nach kurzem Zögern gibt sie sich mit meinem Pass zufrieden, und notiert sich das Kennzeichen von meinem Nummernschild. Dann dürfen wir endlich bis zu einem Eisentor vorfahren.
Da stehen wir dann wieder und warten, aber es wird nicht langweilig. Die Fähre ist zwar lange nicht voll, aber trotzdem sind genügend Leute um uns. Und so kommt immer wieder dieselbe Frage, wo kommt ihr her, wo sind die Bikes her, welche Motorräder fahrt ihr Zuhause. Denn wir sind aufgrund unseres Outfits ja schon von weitem als Touris zu erkennen.
Endlich geht das große Eisentor auf, über eine hohe Brücke fahren wir ins Schiff, Bordpersonal vertäut in Windeseile die Maschinen, wir müssen den Laderaum verlassen.
Weil mir die Kabinen für die zwölfstündige Überfahrt zu teuer waren, habe ich die Cruising Sessel gebucht. Das war ein Fehler, stellen wir sofort beim Betreten des Kinoähnlichen Schlafsaals fest. Die „Cruising Sessel" sind nicht besser als ein Flugzeugsitz. Ich versuche an der Rezeption an Kabinen zu kommen. Ja, es gibt noch freie Kabinen, aber leider ist dem netten Menschen aus „technischen Gründen" oder so, irgendwie nicht möglich, Kabinen zu vermieten. Da muss ich zur Reederei ins Hauptgebäude. Na ja, und das zehn Minuten vor Abfahrt, das will ich mal lieber nachlassen. Sonst ist mein Motorrad und meine Begleiter vielleicht auf Tasmanien und ich stehe immer noch im Büro der „Spirit of Tasmania" und warte auf eine Kabine. Wir verstauen also unser kleines Gepäck, Helme Motorradjacken, leichte Schuhe und Waschzeug und ein bisschen Kleinkram in den Fächern. „Dank" Klimaanlage ist der Raum auf ca. 16°runtergekühlt. Es ist saukalt, was wohl normal ist. Ich sehe Leute, die haben dicke Wollmützen und dicke Wolldecken bereit gelegt.
In dem kleinen Bordrestaurante bestellen wir zu 19:30 einen Tisch. Der Ober ist von aufgesetzter überschäumender Freundlichkeit. Er versucht zwar noch geduldig uns zu erklären was „Scallops"(Kammmuscheln) sind. Aber als wir auf mehrmaliges Nachfragen nicht noch einen Wein oder ein Bier bestellen wollen, würde er uns wohl gerne über Bord schmeißen, um den Tisch für die nächsten Gäste frei zukriegen. Natürlich haben wir das Spiel längst durchschaut und wir machen uns einen Spaß daraus. Als wir dann endlich bezahlen quetsch der Ober irgendetwas, wie na endlich, so oder ähnlich, raus, wir haben schon lange das Gefühl dass er „deutsch" versteht. Aber trotzdem brechen wir in lautes Gelächter aus, und er grinst etwas diabolisch. Als wir in den nun schon abgedunkelten Schlafsaal kommen, liegen etliche Leute in ihren Schlafsäcken auf dem Boden. Da die Fähre fast leer ist, sind in dem „Eiskeller" natürlich auch noch jede Menge Sitze frei. Wir decken uns mit unseren Motorradjacken zu, darüber die Wolldecke, die auf jeden Sitz liegt, und auch noch gleich die vom Nachbarsitz. Jürgen verfällt binnen kurzer Zeit in gleichmäßige Schnarchlaute. Mir ist so kalt, dass ich die Wolldecke über meine Nase ziehe. Auch Bonsai zittert leise vor sich hin. Gerald zieht es vor, außerhalb des Schlafsaals auf einer Bank zu sitzen. Da ist es zwar lauter, die Bar hat die ganze Nacht geöffnet, aber es ist auch sehr viel wärmer. Und wahrscheinlich wird er versuchen ein „Netz" zu bekommen um Zuhause anzurufen. Aber keine Chance auf der Tasman Sea /Bass Straith gibt es kein Netz!
Gott sei Dank ist die Nacht schon um 5:30 zu Ende. Als ich Jürgen frage, wie er geschlafen hat, kommt als Antwort, fast gar nicht! In dem Moment ertönt in der Reihe hinter uns eine sonore deutsche Stimme, na dafür haben Sie aber ganz schön geschnarcht!!
Wir haben gerade noch Zeit für ein hastiges Frühstück, aber ohne Kaffee, der Automat ist kaputt, als auch schon die Lautsprecherdurchsage ertönt, dass die Ladedecks geöffnet sind, jeder zu seinem Fahrzeug gehen soll. Und da unsere Motorräder vorne stehen haben wir es besonders eilig. Und wirklich, das Runterfahren geht so zügig, dass nicht einmal die Zeit für ein Foto der Hafeneinfahrt von Devonport bleibt.
Samstag den 11. Februar 2006 kurz nach 7:00, es ist noch schummerig als wir die Fähre verlassen und Tasmanischen Boden betreten. Wir fahren entgegen dem Uhrzeiger (other clockwise) und wollen entlang der Küste über Burnie mit kleinen Abstechern bis Rosebery.
Man beachte: Um 8:00 morgens haben wir unseren ersten Lookout erreicht.

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