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327 Jahre
Motorradbegeisterung auf einem Bild










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Aber als wir am nächsten
Tag nach Cooma starten, hat sich doch die Sonne durchgesetzt. Auf der
spektakulären kurvenreichen Alpine Road kommen wir zum höchsten Punkt des
asphaltierten Straßennetzes Australiens. Als wir am Mt. Beauty stehen sind wir
1800m hoch, am Mt. Hotham sind es dann 2000. Diese Straße bei Regen fahren zu
müssen, ist bestimmt ein Alptraum. Kurz vor Tallangatta, die Great Alpine Road
liegt fast 100km hinter uns, führt uns der Weg an einem Ausläufer des
riesengroßen „Lake Hume“ vorbei. In dem scheinbar flachen Gewässer stehen
unendlich viele kohlrabenschwarze halbhohe Baumstümpfe, es wirkt sehr
gespenstisch. Erst später lese ich, der „Lake Hume“ hat sich im Laufe der Jahre
immer mehr ausgedehnt, und somit sind die Wurzeln der Eukalyptusbäume
„ertrunken“ aber das Holz ist so resistent, es will einfach nicht verrotten.
Schon seit geraumer Zeit begegnen uns immer wieder Biker, mal in kleinen Gruppen
oder Einzelfahrer. Als wir nach Tallangatta einbiegen sehen wir den Grund, hier
geht gerade ein Motorradtreffen zu Ende. Wir stoppen und setzen uns zum Kaffee
trinken an die Straße. Motorräder aller Fakultäten sind zu sehen. Große, Kleine,
alle möglichen Typen von Harleys, mit und ohne Anhänger. Der Fahrer einer
postgelben (fürchterliche Farbe) Goldwing, fragt nach unserem weiteren Weg, und
als ich ihm die Route nenne, die uns der Wirt in Mansfield erklärt hat, schnalzt
er begeistert mit der Zunge. Ja, das ist eine richtige Motorradstrecke! Er will
auch nach Canberra, da findet das nächste Bikertreffen statt. Ohne Unterlass
erzählt er, dass er in Melbourne lebt, aber schon seit langer Zeit, nur zum
biken, in die Snowy Moutains fährt. Aber als ich ihn frage, ob er irgendetwas
über die schwarzen Bäume im See erzählen kann, zuckt er nur die Schulter, „no,
no idea”. Und sofort beginnt er erneut von der tollen „Biker area“ zu erzählen.
Gerald rollt schon verzweifelt mit den Augen, auch Bonsai räuspert sich laut,
wir müssen dringend weiter. Mühsam gelingt es mir, ohne unhöflich zu sein, die
„Biege“ zu machen. Wir wollen bis Cooma, und das sind noch mehr als 200km. Kurz
hinter Corryong, hier machen wir noch eine Pause, (die Sandwichs sind wohl lecker
aber es dauert „ewig“ bis sie fertig sind) kommen wir in den Kosciuszko National
Park mit 2220m ist der Mt. Kosciuszko der höchste Berg Australiens. Hier stehen
wir auf dem höchsten Punkt ( 2000m)des asphaltierten Straßennetzes Australiens.
Die Straße führt zwar nicht über den Gipfel, aber sie bietet uns Fahrspaß pur!
Stefan und Gerald sind nicht mehr zu halten, sie „brennen“ schon mal voraus.
Jürgen, Bonsai und ich gehen es etwas ruhiger an. Der Straßenbelag bietet immer
Überraschungen. Löcher im Asphalt, kleine Felssteine und dann steht auch noch
hinter einer scharfen Linkskurve ein Pikup auf meiner Fahrbahn, der Fahrer
genießt die tolle Aussicht! Als wir aus den Bergen auf Jindabyne zufahren
empfängt uns graue vertrocknete Steppenlandschaft, mittendrin ein einsames
grasendes Pferd. Und dann taucht kurz vor dem Ort wie aus dem Nichts, der
strahlendblaue See rechts der Straße auf. In Jindabyne warten unsere „Ausreißer“ seit einer
viertel Stunde auf uns. Na ja, dann waren wir doch nicht ganz so langsam auf den
letzten 80 Kilometern! Stefan und Gerald sind wohl ziemlich auf der letzten
Rille durch die Berge getobt. In einer der unzähligen Kurven hat es Gerald wohl
so weit raus getrieben, dass er mir in aller Genauigkeit das Gesicht des
Sheriffs beschreiben kann, der in dem entgegenkommenden Peterwagen saß, mit
anderen Worten er war viel zu schnell, deshalb ist er so weit aus der Kurve
getragen worden. In Cooma,
wir haben 380Kilometer hinter uns, finden wir nach kurzer Zeit ein Motel mit
Pool, der stinkt aber so nach Chlor, dass Kolja keine Lust hat zum Schwimmen.
Schwieriger ist schon, ein Restaurant zu finden. Kolja, er hat die jüngsten
Beine, rennt die Straßen auf und ab, aber nicht mal eine der bekannten
Fastfood-Ketten ist hier vertreten. Und dabei ist Cooma mit seinen 8500
Einwohnern die größte Stadt entlang des „Monaro Highways“. Schließlich landen
wir in einem „BYO Imbiss,“ dass heißt wir kaufen unsere Getränke nebenan im
Bottleshop! Freundlich öffnet uns die junge Bedienung die Flaschen, und das
Essen ist auch nicht schlecht, wir sind also zufrieden. Fast 90 Kilometer stur
geradeaus, durch endlose Steppenlandschaft auf dem Monaro Hwy, kommen wir nach
Canberra. Im Gegensatz zu Melbourne ist hier die Beschilderung optimal, trotzdem
verpasse ich die richtige Abfahrt. Aber dann weiter über zwei Autobahnkreuze
kommen wir wieder zurück. Nur dann stehen wir an einer Ampel die rot zeigt, mehr
als fünf Minuten, wir sind die einzigen Fahrzeuge. Vielleicht hat die Ampel eine
Kontaktschleife und reagiert nur auf Lkws? Wir „rütteln“ mit unseren Bikes auf
der weißen Linie hin und her, nichts passiert! Ein Blick in alle Richtungen, und
wir überqueren die breite Einfallstraße bei Rot! Dank guter Beschilderung
erreichen wir auch das „Capital Hill“, das moderne, lang gestreckte „Parlament
House“. Stefan ist der Meinung wir stehen an der Rückseite, als ich in
Ermangelung weiterer Parkplätze auf den Fußweg fahre. Aber nein, die vielen
Fahnen, und auch die großen schwarzen Wagen mit Chauffeur bestärken mich, hier
ist der Haupteingang. Es ist eben nur alles sehr schlicht und einfach. Zwei
Minuten später kommt ein sportlicher junger Mann auf dem Fahrrad auf uns zu, ein
Wachmann, wie ich nun auf seiner Weste lesen kann. Freundlich lässt er mich
wissen, wir können da nicht stehen bleiben, aber wir können gerne in die
kostenlose Tiefgarage fahren. Die Einfahrt hatte ich vorher schon gesehen, wir
lehnen dankend ab, und umrunden das Regierungsgebäude erneut. Es gibt nicht viel
zu sehen, und deshalb suchen wir nun irgendwo eine Cafeteria. Es ist sehr
einfach sich in der City zurechtzufinden. Die „Commonwealth Avenue” führt
zweispurig für jede Richtung quer durch die Stadt, und die Parkplatznot ist auch
nicht ganz so groß wie in anderen Städten. Wir finden jedenfalls direkt vor der
Touristeninformation ausreichend Stellplätze, und ein Cafe gibt´s da auch. Da
wir uns nun doch entschließen die Stadt etwas näher zu betrachten, frage ich mal
bei der Info nach Zimmern. Freundlich erhalte ich Auskunft und Adressen. In dem
„Novotel“ direkt nebenan erhalte ich die Auskunft, ja ausreichend Zimmer frei,
150$ für ein Doppelzimmer ohne Frühstück. Als ich aus der Tür komme, sehe ich
wie ein etwas älterer braungebrannter Mann mit großem Hut und Stern am Hemd,
einen Kreidestrich quer über meinen Hinterreifen macht. Auf meine Frage was das
denn wohl soll, erklärt er mir wir stehen in einer Ladezone, man darf hier
maximal 5 Minuten parken, ah ja, nun sehe ich die Schilder auch. Aber der Mensch
ist sehr freundlich, als ich erkläre was wir wollen gestattet er uns 30 Minuten
zu parken. Aber solange brauchen wir dann doch nicht. Denn als ich mit Ulrike
und Bonsai zurück ins „Novotel“ gehe um die Zimmer zu buchen heißt es plötzlich,
nein, leider in der Preislage keine Zimmer mehr frei. Entweder hat man sich an
unserer Kleidung gestört, oder aber die hatten kein Interesse daran so viele
Zimmer nur für eine Nacht zu vermieten. Aber warum auch immer, eine Kreuzung
weiter finden wir Zimmer. Oder vielleicht sollte ich sagen „Wohnklos mit
Schlafgelegenheit“ billiger als im Novotel sind sie jedenfalls. In der
Touristeninformation werden die unterschiedlichsten Sightseeing Touren
angeboten. Wir wollen die „half day” Tour machen, und sind die einzigen Touris
an der Bushaltestelle.
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