Australien die Zweite

16.2.05 – 20.03.05

von Sydney entlang der Südküste vorbei an Melbourne bis Portland, Ballarat, Canberra, Blue Mountains,
Sydney

 

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327 Jahre

Motorradbegeisterung


auf einem Bild



Mansfield


Bright

 Es ist früher Nachmittag, als wir nach etwa 160 Kilometern, die „Snowy Montains“ beginnen, den kleinen Ort Mansfield erreichen. „The town for all seasons“ steht auf einem großen Plakat. Die Sonne steht noch ziemlich hoch am Himmel und warm ist es auch! Beim Blick auf meine Karte stelle ich fest, dass es auf den nächsten 100 Kilometer sicher kaum ein Motel geben wird, denn vor uns liegt nur „Natur“ Deshalb mein Vorschlag, wir suchen uns eine „Hütte“!
Bonsai fängt sofort an zu „meckern“, und erinnert an den Wetterbericht, ein Regengebiet ist im anzug! Ja, aber doch nur an der Küste, und wir sind auf dem Weg ins Landesinnere! Bonsai unkt, na gut, dann fahren wir morgen eben 400km im Regen. Worauf ich ihm anbiete ihn sofort zu „erschießen“, falls er nicht mit seiner Unkerei aufhört!
Im „Valley Motor Inn“, ein Motel mit Salzwasserpool, finden wir nette Zimmer. Mit Begeisterung erzählt uns der Wirt, dass das „Viktoria High Country“ die „Heimat“ der Motorradfahrer ist. Und wenn an diesem Wochenende nicht der Grand Prix Lauf der Formel 1 in Melbourne stattfinden würde, hätte er wohl kaum Zimmer frei.
Als wir abends zum Essen gehen, spricht Ulrike dass erste Mal davon, die Reise eventuell in Sydney abzubrechen. Der Grund sind die zahllosen dicken, roten Mückenstiche, die Stefan sich auf French Island eingefangen hat, und nicht nur dort, täglich kommen welche hinzu. Kolja hat schon vor Tagen die dicken roten Quatteln auf Stefans Armen als „Chicken pocks“ identifiziert. Und mindestens einmal täglich fragt jeder von uns: „Stefan was machen die Chicken pocks?“ Und jedes Mal verzieht Stefan schmerzhaft das Gesicht, die dicken teilweise entzündeten roten Flecken, jucken wie verrückt! Aber trotzdem bin ich entsetzt, als Ulrike jetzt sagt, dass sie wohl nicht mit in den tropischen Norden kommen, denn da sind bestimmt noch mehr Mücken. Meinen Vorschlag zum Arzt zu gehen, lehnt Stefan kategorisch ab, er wiegelt das ganze Thema sofort runter, ach, alles nicht so schlimm, und kratzt sich dabei beidhändig an den Armen. Worauf Bonsai grinsend meint, na ja, bei Regen gibt es nicht so viele Mücken. Ich knurre nur, grr. grrr!
Und dann werde ich nachts von einem lauten Knall geweckt, Gewitter! Das kann ja wohl nicht wahr sein! Aber da fängt es auch schon an zu regnen, und Blitze zucken am Himmel, „verzweifelt“ ziehe ich mir die Decke über den Kopf. Morgens ist es dann nicht mehr ganz so schlimm, es nieselt nur und kalt ist es auch nicht! Laut Wetterbericht soll es trocken werden und damit machen wir uns frohgemut auf den Weg in die Berge. Der Wirt hat mir einen Routenplan gemacht und mir auch das bestätigt, was ich gestern schon gesehen hatte, die nächsten annehmbaren Motels gibt es in dem 150 km entferntem Bright. Als wir dann kurz hinter Mansfield rechts in die Berge Richtung Myrtleford fahren wird es schlagartig kühler. Und nach kurzer Zeit merke ich wie die Kälte durch die Goretex Kleidung kriecht. Und dann kommt Nebel und gleich darauf beginnt es zu Regnen. Zeitweilig schüttet es wie aus Eimern. Es ist so kalt! Und dann kommt auch noch eine große Baustelle mit einspuriger Verkehrsregelung. Schon als ich den roten, nun vor Nässe glänzenden, tonartigen Sand vor mir sehe, bekomme ich einen trockenen Mund. Und als ich gerade denke, na, das ist bestimmt rutschig, da fängt meine Maschine auch schon an mit dem „Hintern“ zu wackeln. O, Gott denke ich, das fehlt noch, in diesem Engpass auf die Nase fallen. Mit zwei Fingern halte ich den Lenker und hoffe dass sie ihren Weg „findet“ und ohne weiteres wedeln sucht sie sich eine Spur. Auch die BMW GS von Gerald glitscht über diese Schmierseife. Die Straße windet sich durch die Berge, bei schönem Wetter sicher wunderschön. Aber jetzt, bei der knappen Sicht, dem vielen Wasser und der Kälte, wird sie zur Tortur. Hinter einer Kurve kommt dann auch noch ein Wallaby quer über die Straße. Gott sei Dank hatte ich schon etwas braunes am linken Straßenrand huschen sehen, und Gas weggenommen, als dass kleine Känguru mit einer affenartigen Geschwindigkeit vor mir die Straße überquert. Gerald, der hinter mir fährt, erzählt mir später mit welcher Behändigkeit das Tier den steilen Hang erklommen hat.
Bei Regen fahren wir durch Myrtleford, eine kleines Nest, auch hier gibt es ein Museum, wie ich aus den Augenwinkeln sehe. Aber es interessiert mich im Moment wirklich nicht. Der Wegweiser nach Bright ist viel wichtiger, denn ich erinnere mich, dass der Mann aus Mansfield erzählt hat, in Bright gibt es 60 Motels, und bis dort sind es noch 68 Kilometer.
68 nicht enden wollende Kilometer! Es regnet ohne Unterlass, zeitweilig glaube ich hagelt es sogar. Der Himmel hängt blauschwarz über den Bergen die uns umschließen. Es ist hundekalt. Ich überlege mir verzweifelt, wo wir uns mal aufwärmen könnten, aber es gibt nichts aber rein gar nichts, wir müssen weiter!
Erst will ich schon an dem ersten Motel an der Einfallstraße nach Bright anhalten, aber dann müssen wir sicher zu weit laufen um Essen zu bekommen. Mitten im Ort, am Kreisverkehr liegt eine Tankstelle, ich bin kaum in der Lage meinem Motorrad den entsprechenden „linksdrall“ zu geben, ich bin total steif. Nur mühsam kann ich die Hebelage am Lenker betätigen. Es bereitet mir richtig gehend Schwierigkeiten von der Maschine abzusteigen. Ulrike kommt mir schon entgegengelaufen, blass und zähneklappernd sagt sie, wir suchen uns hier ein Motel. Ja klar, dass ist das Einzige was mich die Letzten 70 Kilometer aufrecht gehalten hat. Auch Gerald kommt mit steifen Knochen angeschlichen; Ulrike mach´ mir mal den Helm auf, die Finger sind so steif, ich kann die Kinnschnalle nicht anfassen. Er ist total durchnässt, bis in die Stiefel. Auch Stefans Jacke ist durch und nasse Füße hat er auch. Und Bonsai ist nass bis auf die Unterhose, aber er lächelt trotzdem ein wenig: „ Na ja, waren ja nur 150 km im Regen“ Grrr!! Bei Jürgen steht das Wasser in den Hosentaschen. Kolja hat das Wetter am besten überstanden, er ist ganz relaxt, auch wenn ihm kalt ist.
Nicht weit von der Tankstelle steht ein Hinweis zu einem 400m entferntem Motel, noch mit dem Sturzhelm auf dem Kopf setze ich mich in Bewegung, und renne in die kleine Seitenstraße. Ich klingle an der Rezeption, ein erstaunter junger Mann kommt. Ja, es ist erst 13:00 normalerweise checkt man um diese Zeit noch nicht ein. Aber er hat freie Zimmer, auch wenn noch nicht alle fertig sind, viel wichtiger ist, alle Zimmer haben Heizung! Als ich das Office verlasse sehe ich, dass sich zu meinen Füßen ein kleiner See gebildet hat, das Wasser läuft immer noch von meinem Motorradzeug. In kürzester Zeit sind wir „eingezogen“. In jedem Zimmer läuft die Heizung auf vollen Touren, und da wir uns in dem australischen Skigebiet befinden, gibt es sogar einen Trockenraum für unsere Klamotten, also, absolut komfortabel. Über den Bergen, die Bright umgeben hängen immer noch dicke schwarze Wolken. Nur manchmal gelingt es der Sonne durchzubrechen, und damit wird es dann auch gleich etwas wärmer. Jeder der Einheimischen erzählt, solch ein schlechtes Wetter hat man noch nie Anfang März gehabt, schließlich ist hier noch Sommer! Die Früchte der Kastanienbäume sind etwa so groß wie bei uns im August. Für die Mücken scheint es allerdings Hochsommer zu sein, denn selbst hier wird Stefan „gefressen“

 

 

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