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327 Jahre
Motorradbegeisterung
auf einem Bild












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Es ist früher
Nachmittag, als wir nach etwa 160 Kilometern, die „Snowy Montains“ beginnen, den
kleinen Ort Mansfield erreichen. „The town for all seasons“ steht auf einem
großen Plakat. Die Sonne steht noch ziemlich hoch am Himmel und warm ist es
auch! Beim Blick auf meine Karte stelle ich fest, dass es auf den nächsten 100
Kilometer sicher kaum ein Motel geben wird, denn vor uns liegt nur „Natur“
Deshalb mein Vorschlag, wir suchen uns eine „Hütte“!
Bonsai fängt sofort an zu „meckern“, und erinnert an den Wetterbericht, ein
Regengebiet ist im anzug! Ja, aber doch nur an der Küste, und wir sind auf dem
Weg ins Landesinnere! Bonsai unkt, na gut, dann fahren wir morgen eben 400km im
Regen. Worauf ich ihm anbiete ihn sofort zu „erschießen“, falls er nicht mit
seiner Unkerei aufhört!
Im „Valley Motor Inn“, ein Motel mit Salzwasserpool, finden wir nette Zimmer.
Mit Begeisterung erzählt uns der Wirt, dass das „Viktoria High Country“ die
„Heimat“ der Motorradfahrer ist. Und wenn an diesem Wochenende nicht der Grand
Prix Lauf der Formel 1 in Melbourne stattfinden würde, hätte er wohl kaum Zimmer
frei.
Als wir abends zum Essen gehen, spricht Ulrike dass erste Mal davon, die Reise
eventuell in Sydney abzubrechen. Der Grund sind die zahllosen dicken, roten
Mückenstiche, die Stefan sich auf French Island eingefangen hat, und nicht nur
dort, täglich kommen welche hinzu. Kolja hat schon vor Tagen die dicken roten
Quatteln auf Stefans Armen als „Chicken pocks“ identifiziert. Und mindestens
einmal täglich fragt jeder von uns: „Stefan was machen die Chicken pocks?“ Und
jedes Mal verzieht Stefan schmerzhaft das Gesicht, die dicken teilweise
entzündeten roten Flecken, jucken wie verrückt! Aber trotzdem bin ich entsetzt,
als Ulrike jetzt sagt, dass sie wohl nicht mit in den tropischen Norden kommen,
denn da sind bestimmt noch mehr Mücken. Meinen Vorschlag zum Arzt zu gehen,
lehnt Stefan kategorisch ab, er wiegelt das ganze Thema sofort runter, ach,
alles nicht so schlimm, und kratzt sich dabei beidhändig an den Armen. Worauf
Bonsai grinsend meint, na ja, bei Regen gibt es nicht so viele Mücken. Ich
knurre nur, grr. grrr!
Und dann werde ich nachts von einem lauten Knall geweckt, Gewitter! Das kann ja
wohl nicht wahr sein! Aber da fängt es auch schon an zu regnen, und Blitze
zucken am Himmel, „verzweifelt“ ziehe ich mir die Decke über den Kopf. Morgens
ist es dann nicht mehr ganz so schlimm, es nieselt nur und kalt ist es auch
nicht! Laut Wetterbericht soll es trocken werden und damit machen wir uns
frohgemut auf den Weg in die Berge. Der Wirt hat mir einen Routenplan gemacht
und mir auch das bestätigt, was ich gestern schon gesehen hatte, die nächsten
annehmbaren Motels gibt es in dem 150 km entferntem Bright. Als wir dann kurz
hinter Mansfield rechts in die Berge Richtung Myrtleford fahren wird es
schlagartig kühler. Und nach kurzer Zeit merke ich wie die Kälte durch die
Goretex Kleidung kriecht. Und dann kommt Nebel und gleich darauf beginnt es zu
Regnen. Zeitweilig schüttet es wie aus Eimern. Es ist so kalt! Und dann kommt
auch noch eine große Baustelle mit einspuriger Verkehrsregelung. Schon als ich
den roten, nun vor Nässe glänzenden, tonartigen Sand vor mir sehe, bekomme ich
einen trockenen Mund. Und als ich gerade denke, na, das ist bestimmt rutschig,
da fängt meine Maschine auch schon an mit dem „Hintern“ zu wackeln. O, Gott
denke ich, das fehlt noch, in diesem Engpass auf die Nase fallen. Mit zwei
Fingern halte ich den Lenker und hoffe dass sie ihren Weg „findet“ und ohne
weiteres wedeln sucht sie sich eine Spur. Auch die BMW GS von Gerald glitscht
über diese Schmierseife. Die Straße windet sich durch die Berge, bei schönem
Wetter sicher wunderschön. Aber jetzt, bei der knappen Sicht, dem vielen Wasser
und der Kälte, wird sie zur Tortur. Hinter einer Kurve kommt dann auch noch ein
Wallaby quer über die Straße. Gott sei Dank hatte ich schon etwas braunes am
linken Straßenrand huschen sehen, und Gas weggenommen, als dass kleine Känguru
mit einer affenartigen Geschwindigkeit vor mir die Straße überquert. Gerald, der
hinter mir fährt, erzählt mir später mit welcher Behändigkeit das Tier den
steilen Hang erklommen hat.
Bei Regen fahren wir durch Myrtleford, eine kleines Nest, auch hier gibt es ein
Museum, wie ich aus den Augenwinkeln sehe. Aber es interessiert mich im Moment
wirklich nicht. Der Wegweiser nach Bright ist viel wichtiger, denn ich erinnere
mich, dass der Mann aus Mansfield erzählt hat, in Bright gibt es 60 Motels, und
bis dort sind es noch 68 Kilometer.
68 nicht enden wollende Kilometer! Es regnet ohne Unterlass, zeitweilig glaube
ich hagelt es sogar. Der Himmel hängt blauschwarz über den Bergen die uns
umschließen. Es ist hundekalt. Ich überlege mir verzweifelt, wo wir uns mal
aufwärmen könnten, aber es gibt nichts aber rein gar nichts, wir müssen weiter!
Erst will ich schon an dem ersten Motel an der Einfallstraße nach Bright
anhalten, aber dann müssen wir sicher zu weit laufen um Essen zu bekommen.
Mitten im Ort, am Kreisverkehr liegt eine Tankstelle, ich bin kaum in der Lage
meinem Motorrad den entsprechenden „linksdrall“ zu geben, ich bin total steif.
Nur mühsam kann ich die Hebelage am Lenker betätigen. Es bereitet mir richtig
gehend Schwierigkeiten von der Maschine abzusteigen. Ulrike kommt mir schon
entgegengelaufen, blass und zähneklappernd sagt sie, wir suchen uns hier ein
Motel. Ja klar, dass ist das Einzige was mich die Letzten 70 Kilometer aufrecht
gehalten hat. Auch Gerald kommt mit steifen Knochen angeschlichen; Ulrike mach´
mir mal den Helm auf, die Finger sind so steif, ich kann die Kinnschnalle nicht
anfassen. Er ist total durchnässt, bis in die Stiefel. Auch Stefans Jacke ist
durch und nasse Füße hat er auch. Und Bonsai ist nass bis auf die Unterhose,
aber er lächelt trotzdem ein wenig: „ Na ja, waren ja nur 150 km im Regen“ Grrr!!
Bei Jürgen steht das Wasser in den Hosentaschen. Kolja hat das Wetter am besten
überstanden, er ist ganz relaxt, auch wenn ihm kalt ist.
Nicht weit von der Tankstelle steht ein Hinweis zu einem 400m entferntem Motel,
noch mit dem Sturzhelm auf dem Kopf setze ich mich in Bewegung, und renne in die
kleine Seitenstraße. Ich klingle an der Rezeption, ein erstaunter junger Mann
kommt. Ja, es ist erst 13:00 normalerweise checkt man um diese Zeit noch nicht
ein. Aber er hat freie Zimmer, auch wenn noch nicht alle fertig sind, viel
wichtiger ist, alle Zimmer haben Heizung! Als ich das Office verlasse sehe ich,
dass sich zu meinen Füßen ein kleiner See gebildet hat, das Wasser läuft immer
noch von meinem Motorradzeug. In kürzester Zeit sind wir „eingezogen“. In jedem
Zimmer läuft die Heizung auf vollen Touren, und da wir uns in dem australischen
Skigebiet befinden, gibt es sogar einen Trockenraum für unsere Klamotten, also,
absolut komfortabel. Über den Bergen, die Bright umgeben hängen immer noch dicke
schwarze Wolken. Nur manchmal gelingt es der Sonne durchzubrechen, und damit
wird es dann auch gleich etwas wärmer. Jeder der Einheimischen erzählt, solch
ein schlechtes Wetter hat man noch nie Anfang März gehabt, schließlich ist hier
noch Sommer! Die Früchte der Kastanienbäume sind etwa so groß wie bei uns im
August. Für die Mücken scheint es allerdings Hochsommer zu sein, denn selbst
hier wird Stefan „gefressen“

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