Heides-Motorradtouren.de
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Reisen ....mit dem Motorrad, oder manchmal........ auch ohne!
16.2.2005 – 20.03.2005
Pünktlich ..
. . . . . . .um 9:30 am nächsten Morgen holt uns der Taxi Driver mit einem Minibus vom Hotel ab. Das hatte ich im schon von Zuhause mit Selena, der neuen Besitzerin von BIKES Cape, abgesprochen. Witzig ist nur dass der Fahrer nicht weiß wo er uns hinbringen soll, und ich habe die Straße leider auch nicht im Kopf, also muß er in seiner Zentrale anrufen.
Aber dann, eine halbe Stunde später, stehen wir endlich vor „unseren“ Motorrädern und vor Selena, einer etwas korpulenten fröhlich lachenden Frau, sie ist vielleicht Mitte vierzig. Bonsai, hat schon vom Taxi aus „sein“ Motorrad entdeckt, und sagt, oh nein, die Scheißkiste wollte ich doch nicht wieder!
Ich bin auch irritiert, denn ich hatte für ihn, schon einen Shopper aber eine
1100er Yamaha bestellt. Und hier steht nun die gleiche Maschine die er bei
unserem ersten Trip gefahren hat, wir hatten sie als 650er in der Erinnerung.
Wenig später stellt sich raus, es ist die gleiche Maschine, aber sie hat 1100ccm. Stefan ist begeistert wieder die 900er Yamaha fahren zu können, auch wenn man ihr jetzt deutlich die Gebrauchsspuren der unterschiedlichsten Fahrer ansehen kann.
Für Gerald steht eine BMW K1100 RT oder BMW 1100GS, Selena hat sie gerade vor zwei Tagen gekauft, zur Auswahl. Er entscheidet sich für die GS mit Koffern und Gepäckträger, da passt gut die Gepäckrolle rauf, und somit hat Kolja eine komfortable Rückenlehne. Jürgen bekommt wieder „seine“ BMW F650, an der immer noch der Kettenschutz fehlt. (Wir haben den ja 2003 irgendwo im Outback in den Mülleimer geworfen) Ja, und ich gucke ziemlich skeptisch die rote Yamaha F600 an, die mich nun die nächsten 20 Tage
über australische Straßen bringen soll.
Wir müssen unser Gepäck verstauen, alles überflüssige, auch unsere großen Trolley/Reisetaschen lassen wir im Büro.
Es ist brütend heiß und schon nach 12:00 als wir endlich vom Hof kommen. Von Selena habe ich mir noch eine kurze Beschreibung geben lassen, wie wir am besten aus Sydney in Richtung Wollogong kommen. Und dann passiert mir schon nach 500m der erste Flop. Wir müssen aus der Gardenroute kommend, rechts in Princess HWY einbiegen. Und was mache ich, fahre auf der Gardenroute an den rechten Fahrbahnrand um von dort nach rechts abzubiegen. Aber im einbiegen, aufgrund der Fahrbahnmarkierungen, merke ich dass ich auf der falschen Straßenseite bin, und kriege Gott sei Dank den Dreh auf die richtige linke Fahrspur.
Es geht mühsam voran, die Straßen sind zweispurig, aber es herrscht reger Verkehr. Mir ist erbärmlich warm. Ich weiß nicht genau wie lange wir aus Sydney brauchen, aber ich weiß es waren 67 km bis zur Stadtgrenze, also weiter als von HH nach Lübeck. Als wir dann endlich in offenem Gelände sind, sehe ich rechts vor mir grüne hügelige Weidelandschaft, aber darüber dunkelblauen ja fast schwarzen Himmel. Noch hoffe ich das uns unsere Route weiter südlich, und damit vielleicht an den Gewitterwolken vorbei führt. Aber schon als ich die Schilder von Wollogong sehe, da haben wir knapp 100 km hinter uns, wird mir klar, wir fahren direkt in das Unwetter rein. Und dann, nach einer leichten Rechtskurve, als ich gerade noch überlege doch nach Kiama abzubiegen um das Loch in der Felswand durch das dass Wasser brausen soll, zu besichtigen, knallen mir die ersten Hagelkörner auf den Helm.
Ja, und damit haben sich meine Überlegungen erst einmal erledigt. Schlagartig ist es fast dunkel, Hagel und dicke Regentropfen fallen auf den Asphalt, am rabenschwarzen Himmel
zucken Gewitterblitze. Fast alle Fahrzeuge auf der zweispurigen Straße sind nun mit Scheinwerfern unterwegs. Ich kann meine Begleiter kaum noch im Spiegel erkennen. Das viele Wasser was schon nach kurzer Zeit in den Spurrillen steht, verunsichert mich einerseits, andererseits bemerke ich mit Erstaunen wie leichtfüßig meine kleine „Rennziege“ mich durch die Kurven bringt. Sie schlingert und eiert nicht, ganz brav gehorcht sie jeder Bewegung. Aber trotzdem, ich bin frustriert und sauer, denn es macht keinen Sinn bei dem Regen auf die jeweiligen Touristenrouten, die an der Küste entlang führen auszuweichen. Ich empfinde es auch als wahnsinnig anstrengend und eben auch gefährlich bei dem Wetter weiter auf dem Motorrad zu sitzen. In Berry, 170 km hinter Sydney, habe ich
die Nase voll, die zwei Motels am Ortseingang sind schon ausgebucht „No vacancy“
. Dann sehe ich die Leuchtreklame eines Pups mit dem Zusatz „Hotel“. Ich halte
an, um meine Begleiter zu fragen, ob wir nicht für heute die Tour abbrechen, ist
jeder sofort einverstanden.
Denn bis Batermans Bay, unserem eigentlichen Tagesziel, sind es noch 100km. Also, renne ich in voller Montur in den Pup, nach mehrmaligem Nachfragen, ich habe den Helm noch auf dem Kopf, die Musik in dem Laden ist auch ziemlich laut, verstehe ich den Mann hinterm Tresen endlich. Er hat keine Zimmer mehr frei! Ich beginne zu frösteln, auch wenn es ziemlich warmer Regen ist, meine Stimmung sinkt auf den Nullpunkt. Plötzlich taucht eine stämmige „Dame“ hinter der Theke auf, mit rauer Stimme erklärt sie mir ich solle doch mal in dem großen Weißen Haus,
Visavis, fragen. Mittlerweile hat sich zu meinen Füßen ein See gebildet, das Wasser läuft von meinem Goretex Anzug. Bevor ich in die große Villa gehe, nehme ich dann doch den Helm ab, und als ich meine Handschuhe ausziehe, sind meine Finger durch das Wasser nicht nur ganz schrumpelig, nein, auch kohlrabenschwarz! Die Handschuhe färben wie die Pest! Eine sehr englische Dame empfängt mich mit ausgesuchter Höflichkeit. Auch wenn ihre Stimme sehr leise und zurückhaltend ist, habe ich kein Problem ihre gepflegte Aussprache zu verstehen. Die Zimmer sind alle sehr „privat“ mit sehr viel Liebe zu „old Britain“ eingerichtet. Als ich die Bettwäsche mit den kleinen roten Streublumen und die, mit Spitze umrandeten Kissen entdecke, fällt mir auch ein an was mich das Ambiente erinnert, „Arsen und Spitzenhäubchen“. Und dann auch noch die kleinen Heckeldeckchen auf dem filigranen Nachtschrank, (Gerald und Kolja behaupten es waren auch Spinnen in den Räumen
:-))))) darüber baumelt eine Schnur von der Decke, damit kann das Deckenlicht löschen, ich bin mir „sicher“ in so einem Haus muss Agathe Christie gelebt haben, allerdings kann ich keinen Kellerabgang erblicken. Ulrike u. Stefan bekommen ein Doppelzimmer mit Bad. Gerald, Kolja, Bonsai, und wir teilen uns ein großes Bad. So vorsichtig wie möglich schleppen wir unsere nassen Sachen rein, aber trotzdem, es bilden sich immer wieder kleine Wasserlachen auf dem Parkett. So tragen wir dann alles in das geflieste Badezimmer.
Dank einer heißen Dusche und trockener Kleidung sind wir
wieder aufnahmefähig. Bei genauerer Betrachtung stellen wir
fest, in diesem Gebäude war früher mal eine Bank untergebracht.
In dem ehemaligen Tresorraum mit der dicken Stahltür liegen alte
Zeitschriften von 1950 und noch älter. Auf einem Amerikanische
Magazine ist das „Busenwunder“ Jayne Mansfield,
(kennt heute kaum noch jemand) als Titelfoto,
auch alte Familienbilder liegen da rum. Meine Laune steigt
als wir auf die Main Street treten, es ist zwar etwas kühler geworden, aber die Sonne scheint.
Fast am Ende der Hauptstraße sehen wir auf der anderen Straßenseite ein Lokal in dem viele Einheimische sitzen.
Dort gibt es „Counter meals“, dass heißt man bestellt und bezahlt sein Essen direkt am Küchentresen,
man bekommt eine Tischnummer in die Hand gedrückt. Wenn das Essen fertig ist, wird diese Nummer aufgerufen und
man kann sich seinen Teller am Tresen abholen. In etwas „vornehmeren“ Lokalen wird es manchmal auch an den Tisch gebracht. Mit den Getränken läuft es genauso, die bekommt man aber an einer anderen Theke. Allerdings, als Kolja zum Tresen geht um sich einen Apfelsaft zu holen, kommt er mit langem Gesicht wieder, und erzählt dass man ihm dort nichts verkauft.
Ich kann das nicht glauben, wahrscheinlich hat er irgendetwas falsch verstanden. Nein, er hat es richtig verstanden, an Jugendliche unter 18 werden am Tresen keine Getränke verkauft, auch kein Apfelsaft
Es ist Gesetz, und an das hält man sich sehr genau,
da die Gastwirte sonst hohe Strafen bezahlen müssen.
Aber trotzdem haben wir die Art der Bestellungen als
sehr angenehm empfunden. Man muss auf keine Bedienung warten,
kann gehen wann man will, und wir müssen dann auch nicht
soviel auseinanderrechnen, separate Rechnungen zu bekommen
ist kaum möglich.

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